Osteopathische Techniken (Auswahl)

Myofasziale Entspannungstechniken

Ziel dieser Verfahren ist das Lösen von akuten und chronifizierten myofaszialen (muskel-bindegewebigen) Spannungen, um wieder eine ausgeglichene, normale Gewebespannung mit Verbesserung der Beweglichkeit ohne Schmerzen herzustellen.

Anwendungsbeispiele:

  • Muskelfunktionsstörungen
  • Chronische muskuläre Schmerzen an der Wirbelsäule und an den Extremitäten
  • Tendo-Myopathien im Bereich der Wirbelsäule und der Extremitäten
  • Behandlung von Narben mit Haut- und Muskelverklebungen
  • Dysfunktionen im Bereich des oberen Brustkorbes, des Zwerchfells und des Beckenbodens

 'Bowstring'-Technik zur Detonisierung des Solarplexus, des Sonnengeflechtes, der Schaltzentrale des Sympathischen Nervensystems im Oberbauch

Muskelenergie Technik (MET)

Dieses Osteopathische Verfahren, das der Amerikaner F.Michell (ca. 1950) entwickelt hat, arbeitet mit einem Wechsel von (isometrischer) Anspannung und Entspannung des muskulo-skelettalen Systems, um funktionelle Blockaden zu lösen und damit Schmerzen zu mindern oder zu beseitigen. Diese Techniken beinhalten auch die Behandlung mit Impuls (siehe auch Manuelle Therapie).

Anwendungsbeispiele:

  • HWS-/BWS-/LW- Beschwerden
  • Becken- und Ileosacralgelenksdysfunktionen
  • Rippen-Dysfunktionen
  • Dysfunktionen aller Extremitätengelenke
  • Muskuläre Dysbalancen im Bereich der Wirbelsäule und der Extremitäten
  • Verkettungssyndrome

   Behandlung von Bewegungsstörungen und tiefliegenden Schmerzen mit rechten Gesäß mit fazilitierenden Techniken  

Funktionale Techniken

Diese Verfahren nutzen die Reflexbögen am Rückenmark und dem zentralen Nervensystem, um insbesondere bei akuten aber auch bei chronischen Krankheitsbildern eine Linderung oder Schmerzfreiheit zu bewirken.

Anwendungsbeispiele:

  • Akuter Schiefhals
  • Schmerzen im oberen Brustwirbelsäulenbereich
  • chronische Dysfunktionen des Beckens der unteren Wirbelsäule
  • Anwendung in Kombination mit anderen osteopathischen Techniken

  Schmerzen in der re Leiste werden nach Ausschluß eines Leistenbruchs mit einer Kombination aus Counterstrain und Myofacial Relase behandelt.

Viszerale Osteopathie

Diese Techniken behandeln Dysfunktionen der viszeralen Organe (Eingeweide) und deren fasziale Verbindungen zu benachbarten und/oder mit ihnen in Verbindung stehenden muskulo-skelettalen Regionen.

Anwendungsbeispiele:

  • Funktionelle Oberbauchbeschwerden, Reizmagen
  • Refluxkrankheit (unzureichender Verschluss des Mageneingangs)
  • Funktionelle Darmsyndrome wie spastischer Dünn- oder Dickdarm
  • Narbige Verwachsungen nach Entzündungen und Operationen im Bauchraum
  • Chronisch funktionelle Oberbauchbeschwerden
  • Coccygodynie (chronische Steissbeinschmerzen) 

  Chronische, therapieresistente rechtseitige Schulterschmerzen können auch durch eine Dysfunktion des faszialen Aufhängeapparates der Leber unterhalten werden. Hier erfolgt die Mobilisierung der Leber durch sogenanntes Lifting.

 Reflux-Beschwerden durch mangelhaften Verschluss des Mageneingangs können ebenfalls mit diesen Techniken behandelt werden. Zwar ist keine grundsätzliche Veränderung der Anatomie möglich, jedoch gelingt es, die Einnahme von Magensäure-Produktion hemmenden Medikamenten und damit die Beschwerden deutlich zu mindern.

Craniosacrale Techniken 

Die Craniosacrale Therapie wurde von dem Amerikaner William Garner Sutherland begründet, der sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts über einen Zeitraum von ca. 50 Jahren mit Schädelbewegungen beschäftigt und daraus die Theorie des Craniosacralen Systems entwickelt hatte. 
Die Craniosacrale Therapie beruht unter anderem auf der Annahme, dass der Liquor cerebrospinalis (die Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umspült) rhythmischen Bewegungsmustern folgt, die sich auf das umgebende Gewebe und und die Knochen übertragen und ertasten lassen. Die Einzelknochen des Schädels werden als gegeneinander beweglich angesehen. Durch Berührung von Kopf und /oder der Wirbelsäule erfühlt der Therapeut eventuelle Blockaden dieser Bewegung und schließt dadurch auf Fehlfunktionen im Bereich des Körpers oder des Schädels. Sanfte Manipulationen lösen diese Blockaden, mindern oder beseitigen mögliche Dysfunktionen und aktivieren die Selbstheilungskräfte des Organismus.

Anwendungsbeispiele:

  • Chronische Kopfschmerzen (bes. Spannungskopfschmerzen)
  • Chronische Schwindel, nicht organischer Ursache
  • Chronische Sinusitis (Abflußverbesserung durch Drainagetechniken, Gesichtsschädelbehandlung)
  • Trauma-Folgen (bes. Schädel, Wirbelsäule, Becken)
  • Psychovegetative Erkrankungen (in Verbindung mit Verhaltensänderungen und ggf. psychotherapeutischen Maßnahmen)  

Strain und Counterstrain

Der US-amerikanische Osteopath Lawrence H. Jones veröffentlichte 1960 erstmals das gesamte Konzept von Strain und Counterstrain. Er entdeckte nach vielen Jahren eigener osteopathischer Tätigkeit, dass die Lagerung eines Patienten in einer schmerzfreien Position zu einer drastischen Reduktion seiner Schmerzen und zu einer Beseitigung einer funktionellen Bewegungsstörung führen kann. Ferner fand er heraus, dass bei nahezu jeder muskulären Dysbalance und Funktionsstörung an bestimmten Körperstellen schmerzhafte Druckpunkte (sog. Tenderpoints)  im Gewebe entstehen.

Bei der Behandlung wird das betroffene Körperteil passiv in eine Position der minimalen Schmerzhaftigkeit oder anders, der größten Schmerzfreiheit geführt. Die schmerzfreie Position wird für 90 Sekunden beibehalten, danach führt man das betroffene Areal langsam in die neutrale Position zurück. Durch diese Lagerung in einer schmerzfreien Position wird die Belastung und damit die fehlerhafte Meldung unterbrochen. So vermindert sich der dysfunktionale Reflex der Propriorezeptoren (Lagerezeptoren). Diese Tenderpoints werden sowohl zur Diagnostik als auch zur Kontrolle der Behandlung eingesetzt. Interessanterweise werden sie bei fast allen Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen gefunden. Jeder Tenderpoint (mehr als 200 sind bekannt) in der Muskulatur steht für eine spezifische Gelenksdysfunktion.
Durch die Behandlung des schmerzempfindlichen Punktes kommt es schon während der Lagerung zu einer für den Patienten als ausgesprochen wohltuend empfundenen Schmerzreduktion. Durch die richtige Positionierung wird es den Muskelspindeln ermöglicht, sich neu zu programmieren.

Anwendungsbeispiele (kleine Auswahl):

  • chronische Schmerzen in der Achillessehne (Achillodynie)
  • Fersensporn
  • Chron. Schmerzen im Bereich der Kniescheibe (z.B. Patellarsehnen-Syndrom, sog. retropatellarer Schmerz, etc.)
  • Tennisarm (Epicondylitis radialis humeri)
  • Schmerzen an der hüftgelenksnahen Oberschenkelaußenseite (sog. Bursitis trochanterica)
  • chonische Steißbeinbeschwerden (Coccygodynie)
  • Schmerzen in der Beckenregion / in der tiefen Gesäßmuskulatur (z.B. Piriformissyndrom)

 Chronische Schmerzen in der Achillessehne (Achillodynie)

Mögliche Reaktionen auf die Behandlung

bei 20 bis 30% der Patienten kann es (nur beim ersten Mal) es zu leichten Grippe-ähnlichen Symptomen kommen (Gliederschmerzen und Schwächegefühl) - nach 24 bis 48 Stunden sind die Symptome wieder verschwunden

Verhaltensregeln nach der Behandlung

  • Der Patient sollte nach der Behandlung nicht testen, ob die Schmerzen noch auslösbar sind (das ‚plastische Gedächtnis’ des Gewebes ist noch erhalten und darf nicht unterstützt werden)
  • Extreme Bewegungen sollten für drei Tage vermieden werden
  • Alle schmerzhaften Bewegungen sollten unterlassen werden
  • Man sollte nicht wieder in die 'alte' schmerzhafte Position gehen
  • Viel trinken für drei Tage! Möglichst Wasser!
  • Dehydrierende Getränke wie Alkohol, Kaffee, Säfte oder Tee für drei Tage meiden